Dienstag, 23. Dezember 2008

Ein Unruheherd ...

... mitten in Cuxhaven: meine heimische Kochstelle. Die Herdplatten hören nicht auf zu glühen, während der Wintergarten zum Großraum-Kühlschrank umfunktioniert und mit Vorräten für den halben Winter vollgestopft ist: Meine Kids sind da. Das heißt, bisher erst die eine Hälfte. Der "Rest" kommt am 25. Die Bescherung haben wir auf das Datum verschoben, damit alle dabei sein können. Und am 26. wird wieder der Geburtstag meiner Mutter mit weiteren Gästen gefeiert. Ich freue mich auf das alles, denn ich mag es, für viele Leute zu kochen, sie rundum zu verwöhnen und dann gemeinsam um den Tisch zu sitzen und zu erzählen.
Gestern hatten wir bereits einen total schönen gemütlichen Familienabend mit interessanten und überraschend tiefen Gesprächen, und heute hatten wir sehr viel Spaß beim Weihnachtsbaumeinkauf, der bei uns traditionell in letzter Minute besorgt wird. Wie jedes Jahr hat er einen Namen bekommen, diesmal hat Fabi ihn ausgesucht: Ute Nordmann.
Jedenfalls: Die Feiertage haben entspannt und fröhlich begonnen, und ich bin zuversichtlich, dass es so weitergeht.
Allen blog-Lesern wünsche ich ebenfalls ein fröhliches und gesegnetes Weihnachtsfest!

Sonntag, 21. Dezember 2008

Weihnachtsbotschaft

Blutige Stirn beim Laufen gegen Wände, unsicheres Wissen, verschleierte Zukunft - ER heißt Wunder-Rat.
Fühlen, wie klein ich bin, wie wenig Möglichkeiten mir gegeben sind, wieviel Angst mich bestimmt - ER heißt Gott-Held.
Hilfloser Helfer, verwundeter Tröster, ängstliches Kind - ER heißt Ewig-Vater.
Rastloses Herz, panische Gedanken, unruhiges Gemüt - ER heißt Friede-Fürst.
Ohne JESUS ist alles nichts. Und nichts alles. Denn die Herrschaft ruht auf SEINEN Schultern.

Für mich und alle, die ähnlich empfinden:

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Sieben Tage, vier Ärzte

- eine Woche voller Arztbesuche. Hausarzt, Zahnarzt und Augenarzt waren nur Kontrollen, war auch alles ok.
Dem heutigen Besuch im Krankenhaus zur Schrittmachereinstellung sah ich mit mehr Spannung entgegen. Vor vier Wochen schrieb ich nämlich dorthin einen sehr höflichen und sehr sachlichen Beschwerdebrief über den - vorsichtig ausgedrückt - unglücklichen Verlauf meiner OP und den aus verschiedenen Gründen nicht zufriedenstellenden Aufenthalt auf Station.
Heute empfing mich der Chefarzt persönlich in seinem Büro und wir sprachen ausführlich über meine Anmerkungen. Zuerst wollte er sich ein wenig mit solchen Floskeln wie "wie SIE es empfunden haben" herausreden, als ob es eine rein subjektive Angelegenheit gewesen sei. Doch als wir auf die einzelnen Punkte zu sprechen kamen, gab er zu, dass es so nicht hätte laufen dürfen, und er habe auch bereits mit den zuständigen Operateuren gesprochen. Der Hauptzuständige sei übrigens inzwischen in Pension gegangen ("Woraus Sie sehen können, Frau Tobies, dass er ein erfahrener Mann war" -- oder vielleicht auch ein Mann, der zu alt für solche hohen Anforderungen war???).
Wie auch immer. Mir war es wichtig, im Interesse nachfolgender Patienten einen Sensibilisierungsprozess bei den Ärzten anzustoßen, und für mich selber, dass ich das Geschehen angemessen verarbeiten konnte. Nun kann ich die Sache innerlich abschließen, auch wenn ich keine ausdrückliche Entschuldigung erhielt. Aber mein Anliegen ist verstanden und befürwortet worden - und damit habe ich jetzt Frieden darüber.
Ach ja, und ich stehe jetzt weniger unter Strom - die Energiezufuhr des Schrittmachers wurde runtergeregelt, so dass ich die Impulse nicht mehr so heftig spüre. Außerdem hält so auch die Batterie länger! ;-) Zusammen mit einer Umstellung meiner Medikamente dürfte ich also bald wieder meinen alten Zustand erreichen. Und laut Arzt darf ich ab sofort wieder Kopfstand machen oder Fallschirmabsprünge. Na, danke.

Montag, 8. Dezember 2008

Ein Tag wie Samt und Seide

Leise Musik, schummerige Beleuchtung, köstlicher Duft von Kaffee und hausgemachtem Apfelkuchen. Wir sitzen in einem urgemütlichen Café in Bremen im Schnoorviertel, in einem alten verwinkelten engen Fachwerkhaus mit dunkelbraunen Balken, verblichenen Gemälden an den Wänden und Kerzenlicht. Wir feiern unseren 29. Hochzeitstag - die Samthochzeit. Später bummeln wir über den Weihnachtsmarkt - Hartmut muss ein bisschen leiden, er mag übertriebenen Weihnachtsrummel nicht. Aber ich liebe ihn, wenn ich in Stimmung bin. Und das bin ich. Dann am Abend, nachdem wir nur ein paar Schritte vom Trubel seitwärts in die evangelische Backsteinkirche "Unserer Lieben Frauen" getreten sind, umfängt uns die wahre Weihnachtsstimmung: Wir kommen gerade recht zu einer Abendandacht mit Orgelmusik, Liedern und ein paar kurzen Worten. "Die Nacht ist vorgedrungen", eines meiner Lieblingsadventslieder, steht im Mittelpunkt. Hartmut und ich sitzen eng aneinandergekuschelt auf der Bank, er summt das Lied mit, während ich dem Text in Gedanken nachgehe. "... auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der helle Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein ..." Wie oft haben wir das erlebt, dass Jesus selbst als Person unser einziger Hoffnungsschimmer ist - der Stern, der zwischen finsterer Nacht und Morgendämmerung erscheint ... Ich denke an unsere letzten Jahre. Seit unsere Kinder aus dem Haus sind und wir wieder zu Zweit leben, hat unsere Beziehung noch an Qualität und Tiefe gewonnen. Wir fühlen uns wohl miteinander, sind entspannt, und wir haben ein gutes Gleichgewicht zwischen gemeinsamer Nähe und Freiraum für jeden gefunden. In den ersten anstrengenden Jahren unserer Ehe hatten wir unser Leben aufgebaut, später umgebaut, in die Höhe und in die Breite. Jetzt bauen wir wohl mehr in die Tiefe. Wir sind wie zwei Äste an einem Baumstamm, und wir wissen, wo unsere Wurzeln sind.
Später, bei einem richtig guten Italiener mit einem wunderbaren Essen, feiern wir das Ende eines total schönen Tages.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Beauty Day

Heut hab ich mir mal 'nen Wellness Tag gegönnt. Morgens zwei Stunden an der frischen Luft (mit einem Nebenzweck, der an dieser Stelle nicht verraten wird) und nachmittags in unserem schönen neuen Bad bei Kerzenlicht Haarkur, Peeling, Gesichtsmaske, Pediküre, Maniküre - das volle Programm. Jetzt sehe ich mindestens 10 Monate jünger aus.
Und heute abend gehe ich schick essen. Mit meinen lieben Mitstreitern vom Arbeitskreis Gottesdienst.

Montag, 17. November 2008

Ich will's noch mal wissen ...

Die Sehnsucht ist von Monat zu Monat größer geworden. So stark, dass ich vor ein paar Wochen angefangen habe, mir ein paar Pilgerwege im Internet anzuschauen. Jetzt ist meine Entscheidung gefallen. Nicht nur, im nächsten Frühjahr wieder allein auf Wanderschaft zu gehen, sondern auch, wo: Diese über 300 km lange Strecke zwischen Kloster Loccum und Kloster Volkenroda, oder zumindest einen Teil davon. Eine Landschaft, die mir völlig unbekannt ist, obwohl sie nur drei Bahnfahrtstunden von meinem Zuhause entfernt ist. Und die mir sehr reizvoll erscheint: Weser, Weserbergland, mittelalterliche Städtchen wie z.B. Hameln und zahlreiche Klöster an der Wegführung entlang.
Es könnte sein, dass diese Wanderung der Beginn einer Sucht ist. Trotz der teils sehr harten Erfahrungen in diesem Frühjahr schreckt es mich überhaupt nicht, es noch einmal zu wagen. Vielleicht sogar immer wieder, jedes Jahr einmal. Es scheint für mich die Form einer Auszeit zu sein, die mir am meisten liegt, die mich herausfordert, in der ich mich selbst in einem ganz anderen Zusammenhang spüren und erleben kann, die mich so manche Dinge lehrt und nicht zuletzt einen Rahmen bietet, Gott noch anders zu erfahren als in meinem Alltag.
Das ist sicher eine Herausforderung auch für Cordula, meine Schrittmacherin ;-) . Jetzt muss ich nur noch meinen Urlaub beantragen und auf besseres Wetter als in diesem Jahr hoffen!

Freitag, 14. November 2008

Hüte und Orden

Heute morgen saß ich im Wartezimmer meines Arztes und vertrieb mir die Zeit mit einem neuen Spiel: Ich ordnete im Stillen die Hüte, Mützen und Caps auf der Hutablage sowie die Mäntel und Jacken an der Garderobe den wartenden Patienten zu. Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis werden geschult, und die Wartezeit vergeht schneller. Meine Trefferquote war erstaunlich hoch, doch einmal habe ich mich total verhauen: Ein NY-Cap ordnete ich dem neben mir sitzenden jungen Mann zu. Umso überraschter war ich, als es ausgerechnet ein alter Herr mit Gehstock beim Verlassen des Wartezimmers ergriff und sich aufsetzte.
Beim Überlegen, warum mein Einschätzungsvermögen so daneben lag, wurde mir klar: Ein junger Mann würde nie sein Cap auf die Hutablage legen, sondern es auf dem Kopf behalten! Wieder was dazu gelernt.
Dann wurden mir die Fäden gezogen. Eine weitere Schlacht im Krieg gegen Krankheit ist geschlagen. Zurück bleibt wieder mal eine Narbe. So langsam habe ich mir einen Tapferkeitsorden verdient.

Donnerstag, 13. November 2008

So langsam ...

... gehen mir die Ideen aus.

Womit ich die letzte Zeit verbracht habe:

Wäsche von einer Woche gewaschen, zwei Bücher gelesen, knapp 20 Mails geschrieben/beantwortet, bei ebay nach potentiellen Weihnachtgeschenken gestöbert (ohne Erfolg), Farbflecken von meinem Lieblingsshirt entfernt (mit Erfolg), Adventskalender gebastelt, ca. 15 Tassen Tee getrunken, Handtücher im Bad nach Farben sortiert, ein Sonett gedichtet (Shakespeare läßt grüßen), ein Knopf angenäht, Grünkohl gekocht, für ein gutes Dutzend mir lieber Menschen gebetet, die Hosentaschen meines Mannes ausgeleert (3 Adapter, 8 Schrauben, 23 Cent, 1 PC-Stick, 1 alter Schlüssel unbekannter Herkunft, 1 Fisherman's friend), täglich einen Spaziergang gemacht (jetzt kann ich schon eine Stunde am Stück laufen, ohne dass mir allzusehr die Puste ausgeht), Musik gehört, Jesaja studiert, mir ungefähr schon zehn Mal dieses bezaubernde Video angeguckt und mich immer wieder darüber gefreut.
Cordula tut ihre Arbeit und auch ich möchte gern bald wieder arbeiten. Morgen in einer Woche ist es soweit. Bis dahin muss ich mich noch erholen und gleichzeitig mehr Kondition aufbauen.


Sonntag, 9. November 2008

Und das alles in 5 Tagen ...

... schmerzhafte OP durch zwei mundfaule und unsichere Operateure; Krankenhausaufenthalt, der nicht der Erholung diente: eine Bettnachbarin, die nachts ins Waschbecken kotzt, eine weitere dementkranke Frau, der ich jeden Morgen neu geduldig erkläre, wo sie sich befindet und welcher Wochentag ist, eine Nachtschwester, die um 00:30 Uhr, wenn man sich gerade mühsam den ersten flachen Schlaf erkämpft hat, mit einem fröhlichen „Guten Morgen!“ ins Zimmer gepoltert kommt und die volle Beleuchtung anstellt, nur um die Tabletten für den nächsten Tag zu verteilen; Klos auf dem Flur, die als Raucherzimmer missbraucht werden und die man sich mit alten, wenig zielsicheren Männern teilen muss; Thoraxschmerzen, Wundschmerzen, Rückenschmerzen vom vielen Liegen.

Aber dann: Nach Hause kommen, von Hartmut liebevoll umsorgt, Tee, Kerzenlicht, Erzählen. Sich geborgen fühlen. Viele Anrufe von Familie und Freunden, die wissen wollen, wie es mir geht. Ein kurzer Gang über den bunten Wochenmarkt, die Augen mit Farben und die Nase mit Düften verwöhnen, gesundes Obst und Gemüse kaufen. Eine Stunde langsamen Strandspaziergang mit Hartmut, trotz körperlicher Grenzen die Nordseeluft atmen, die Möwen beobachten, die Weite des Watts genießen. Und dann doch noch an einer Veranstaltung der Niedersächsischen Literaturtage teilnehmen können, die ich eigentlich schon für mich abgeschrieben hatte: „Sax and Crime“. Wunderbarer Abend mit spannenden Lesungen dreier Autoren aus ihren Krimis mit norddeutschem Bezug, kombiniert mit Saxophonmusik - Titelmelodien vom „Rosaroten Panther“, „Tatort“ und anderen thematisch stimmigen Klängen.

Was für ein Kontrastprogramm in weniger als einer Woche ...

Freitag, 7. November 2008

Cordula

Heute habe ich mein neues kleines Baby aus dem Krankenhaus mit nach Hause gebracht. Wie winzig es ist! Und doch so perfekt. Es war keine leichte Geburt, mit ein paar Komplikationen. Doch von jetzt an wird es immer zu mir gehören und ich werde es eng an meinem Herzen tragen. Wir werden füreinander sorgen und es wird meinem Leben neue Impulse und Qualität geben.

Ich habe es „Cordula“ getauft. Aus dem Lateinischen übersetzt heißt das „Herzchen“. Ein durchaus passender Name, wie ich finde – für meinen St. Jude Pacemaker, Modell Identity ADx XL DR 5386 – damit setze ich ein bisschen was Weibliches gegen diese männliche Technik.