Montag, 8. März 2010

60 Jahre und kein bisschen leise ...

Mit dem Typen bin ich groß geworden. Bei uns zu Hause stand er immer vor der Tür. Solider Ausdruck des Wirtschaftswunders, fleißiger Arbeiter, Symbol der Hippiezeit, Unterkunft für viele Urlaube. Er transportierte Schlagzeuge und Bassboxen, die Möbel ganzer Studentenbuden, zehnköpfige Kinderscharen, diente als Zweitwohnung und Spielplatz.
Später hatten Hartmut und ich dann einen eigenen. Er trug den Duft von Freiheit und Abenteuer. Er machte unsere Umzüge mit und wir mit ihm unsere Kurztrips und Ferien. Familienkutsche und ein Stück Heimat, wo auch immer wir waren. Das ist nicht nur ein Auto. Das ist ein Freund. Als er krank wurde und wir ihn in Pflege geben mussten, war die Trauer groß.
Eines Tages möchten wir wieder einen haben und auf unsere alten Tage noch einmal losbrettern ... Jedenfalls: Happy birthday, Bulli!

Freitag, 12. Februar 2010

Die zweite Seite

Ich träume sehr oft, meistens sind meine Träume ein Kaleidoskop unterschiedlicher Szenen, einfach eine Verarbeitung meines Alltags. Aber ab und zu kann ich dem Traum auch eine Bedeutung abgewinnen. So auch dem Traum der letzten Nacht. Ich träumte:
Ich bin eine Angestellte Barack Obamas, eine Art Sekretärin. Ich habe einiges für ihn zu organisieren, u.a. - merkwürdiger Weise - seine Hochzeit mit Michelle. In der Zusammenarbeit mit ihm kann ich ihn gut beobachten. Ich sehe u.a., dass er seine Zeitungen auf besondere Art und Weise liest. Der ersten Seite würdigt er kaum eines Blickes. Er fängt gleich auf der zweiten Seite an zu lesen. Als er sieht, dass ich ihn fragend anschaue, sagt er zu mir: "Die zweite Seite ist für mich inspirierend. Dort beginnt das Eigentliche." Ich verstehe, was er meint.
Ich verstehe auch jetzt, im Wachzustand, was gemeint ist. Halte dich nicht an der Titelseite auf - an der dicken Headline, am Aufmacherbild, an der fett gedruckten Einleitung, am ersten Eindruck. Schaue tiefer, gucke, was dahinter ist. Lies das Kleingedruckte. Achte auf die Geschichte, forsche nach Hintergründen, durchblicke Zusammenhänge.
"Lesen Sie weiter auf Seite 2". Das ist für mich eine treffende Aufforderung, wenn ich Menschen begegne, wenn Ereignisse statt finden, wenn ich mich im Alltag bewege. Schau nicht nur, was dir ins Auge springt. Bleib auf keinen Fall dabei stehen, begnüge dich nicht damit, auf Grund des ersten Eindrucks dein Urteil zu fällen. Die Oberfläche kann trügen. Blicke tiefer. Mach dir die Mühe, die "zweite Seite" zu lesen. Investiere Zeit, Geduld, offenes Auge und offenes Herz, um zu verstehen.
Warum mir ausgerechnet Barack Obama diese Mitteilung machte, bleibt mir allerdings ein Rätsel.

Samstag, 6. Februar 2010

Ungebetener Besuch

Er kam etwas eher als erwartet. Aber was heißt hier schon erwartet - eigentlich hatte keiner wirklich mit ihm gerechnet. Dafür traf er dann ganz schön früh ein. Ein unzuverlässiger Kerl. Ich mochte ihn nicht recht - er ist einfach nicht mein Typ. Jaaaa - er kann ganz unterhaltsam sein. Dazu sieht er auch noch verflixt gut aus, auf seine Weise, mit seinem makellosen weißen Anzug. Aber mir ist er einfach zu glatt, zu cool. Ein Schönling. Ich kann einfach keine Beziehung zu ihm aufbauen.
Zuerst dachte ich, er schaut nur mal eben vorbei, wie er es sonst auch tut. Aber irgendwie scheint er sich im Moment so wohl bei uns zu fühlen, dass er sich richtig häuslich nieder gelassen hat. Keine noch so dezente oder gar offene Bemerkung bringt ihn aus der Ruhe oder veranlasst ihn, seine Siebensachen zu packen und zu verschwinden. Im Gegenteil - überall verstreut er seine Klamotten, über die man stolpert und sich fast die Haxen bricht. Er geht mir auf die Nerven. Dass er über Weihnachten da war, war ja noch ganz nett. Aber jetzt, sechs Wochen später - das ist nicht mehr schön.
Sein Bruder, der wäre mir willkommen, der ist von ganz anderem Geblü(h)t. Fröhlich, heiter, immer ein Lied auf den Lippen, lässig und farbenfroh gekleidet. Bei dem wird mir warm ums Herz. Aber Bruder Winter kann mir langsam gestohlen bleiben.

Freitag, 5. Februar 2010

Verlassen


Das tat irgendwie weh, dieses Bild, das sich mir unvermittelt auf meinem einsamen Spaziergang entgegen stellte. Die kalte Schönheit der zugefrorenen Bucht - und davor der vergessene Puppenwagen in Pink. Irgendetwas löste das in mir aus - Wehmut, Schmerz, Sehnsucht? Ich kann's gar nicht genau sagen. Dem muss ich noch mal nachgehen ...

Freitag, 29. Januar 2010

Opa-Enkelin-Dialog


In Anlehnung an diese viel gelesenen und beliebten Beiträge eröffne ich hiermit unsere Serie "Opa-Enkelin-Dialoge".
Sara (2 dreiviertel Jahre alt) ist gerade ein paar Tage bei uns.
Hartmut fragt sie: "Was möchtest du denn heute zum Mittagessen?"
Sara (ganz Kind ihrer Zeit): "Nudeln!"
Opa: "Okay! Und was möchstest du dabei haben?"
Sara: "Mehr Nudeln!"

Samstag, 23. Januar 2010

Speed Dating

Eines der besten Portraits der neuen Single-Generation, das ich je gesehen habe: der Film "shoppen" von Ralf Westhoff. 18 alleinsthende Männer und Frauen nehmen an einem Speed Dating teil. Witzig. Ehrlich. Tief. Berührend. Preisgekrönt.
Hier der Trailer.

Montag, 11. Januar 2010

Gegen den Winterblues



Die Weihnachtsdeko ist abgenommen und im Keller verstaut. Nur mein großer Kürbis, der - inzwischen tiefgefroren - von der letzten Herbstdeko noch auf unserer Eingangstreppe steht, sieht mit seinem leuchtenden Orange inmitten von Grau und Weiß etwas deplatziert aus. Die Silvestergäste des Hotels sind herzlich verabschiedet, der Jahreswechsel vorbei, vor uns jede Menge Winterwochen ohne Highlights. Nicht einmal Daisy ist bei uns aufgetaucht. Tristesse vorprogrammiert? Ich versuche jedenfalls, diese jährlich wiederkehrende Hürde mit bewährten Mitteln zu überspringen: frisches Obst in fast jedem Zimmer, ein MacDonalds-"Fly In" für Vögel vor unserem Küchenfenster zum Beobachten, Spaziergänge trotz Kälte, Zweisamkeit bei Kerzenlicht und Kaminfeuer, viel Arbeit und jede Menge schöner Bücher. Gerade habe ich einen der besten Krimis der letzten 15 Jahre gelesen: "Die Shakespeare-Morde". Alles drin, was ein guter Krimi haben muss - ein geheimnisvolles Rätsel, dem die Protagonistin auf die Spur zu kommen versucht, ein Mörder, dessen Identität bis zum Schluss ungeklärt bleibt, höchste Spannung und Nervenkitzel, eine Liebesgeschichte und "nebenbei" jede Menge Hintergrundinfos über Shakespeare, sein Leben, seine Werke und seine Zeit, alles sehr intelligent miteinander verflochten. Einfach Klasse.
Außerdem habe ich gerade Fabians Bachelor-Arbeit Rechtschreibkorrektur gelesen. Der spannende Titel: "Analyse des Workflows zur Bearbeitung von Standard Definition TV unter Berücksichtigung der Zeilensprungverfahren". Da steckt von Fabian jede Menge Fleißarbeit, Experimente und Tests drin und wurde in Hamburg, Emden und Cuxhaven erstellt. Ich versteh rein gar nichts, aber bei den Wörtern, die ich kenne, kann ich immerhin die deutsche oder englische Rechtschreibung anwenden. Morgen geht sie in Druck, übermorgen wird sie abgegeben. Juhuu! Wieder geht ein Kapitel Tobies-Geschichte zu Ende.
Na ja, man muss sich über die Wintermonate zu helfen wissen. Über Besuch freue ich mich übrigens auch.

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Das Beste kommt zum Schluss ...

Mareike mit Miia

Am vorletzten Tag dieses Jahres hat unsere zweite Enkeltochter Miia (finnische Schreibweise von Mia) eine vorbildliche Unterwassergeburt hingelegt und ihre Eltern, ihre Schwester Sara und uns als Großeltern glücklich gemacht. Heute sind wir schnell nach Hamburg gefahren, um dieses kleine Wunderwerk zu bestaunen. Einen besseren Jahresabschluss kann man sich gar nicht denken!


... und die stolzen Großeltern


Montag, 7. Dezember 2009

Ehe uns das Feuer ausgeht ...


"Wenn zwei Menschen eine Ehe miteinander haben, eine wirkliche Ehe, dann findet etwas statt, was aller Logik und Vernunft zu widersprechen scheint. Indem sie sich begegnen, wird ein Neues aus ihnen, ein sehr Merkwürdiges, das mehr ist und anders als eine bloße Zusammenfügung von zwei Individualitäten. Wie in einem Kunstwerk so ist auch in der Ehe unbegreiflicherweise die Ganzheit mehr als die Summe der Teile. ... Die Eheleute versuchen, mit den armen, endlichen und unvollkommenen Zeichen und Formen der Erdenwirklichkeit etwas Überwirkliches, Unendliches und Ewiges darzuleben. Eine Ehe ist erst dann eine Ehe, im eigentlichen Sinn des Wortes, wenn sie zu einer Einübung, zu einem irdischen Abbild der menschlichen Hingabe an Gott wird ... aber nicht theoretisch-schwärmerisch, sondern wirklich, leibhaft und verbindlich." Manfred Hausmann

Ich mag diese altmodisch anmutende Beschreibung Manfred Hausmanns einer Ehe. Immer mal wieder fragen wir uns, ob das Gelingen unserer Ehe Gnade und Geschenk, harte Arbeit oder Zufall ist. Letzteres schließen wir aus. Sehr wahrscheinlich eine Zutatenkombination aus den beiden erstgenannten – gewürzt mit viel Freude aneinander, einem guten Schuss Dankbarkeit, einer kräftigen Prise Humor und einem gehäuften Löffel voll Toleranz. Und dennoch haben wir es dem überaus fleißigen Wirken des eigentlichen Künstlers und Ehestifters zu verdanken, dass unsere Verbindung seit genau heute dreißig Jahre Bestand hat – und nicht nur Bestand hat, sondern eine tiefe Freude ist.
Zu diesem Anlass haben wir uns ein Geschenk gemacht: Ein von Hartmut selbstgebauter Kamin, versehen mit unseren selbst geschnitzten Initialen und einer Jakobsmuschel - das auch für uns so bedeutsame Symbol aller Pilger, die unterwegs sind auf ein heiliges Ziel zu. Leider ist es nur ein Gelkamin, zu mehr reicht unser Budget nicht, aber immerhin ist er tauglich für ein wärmendes echtes Feuer im trauten Heim.