Mittwoch, 27. August 2008

Bald ...


haben wir unser neues Bad.
Meine Männer sind fleißig dabei, Leitungen zu löten und Fliesen zu legen. Ich freue mich schon so auf meine Rainshower!

Dienstag, 26. August 2008

Michael Jackson, Madonna und ich ...

Das Jahr 1958 katapultierte ein paar Menschen ans Licht der Welt, deren Biografien nicht unterschiedlicher hätten sein können. Nur ein runder Geburtstag eint uns – ein halbes Jahrhundert auf diesem schönen Planeten zu sein. Die beiden namentlich genannten sind Künstler mit Talent, mit Erfolg, Reichtum und Schönheit gesegnet (obwohl – bei M.J. bin ich mir da nicht mehr so sicher).

Und doch würde ich um nichts in der Welt mit ihnen tauschen mögen.

Denn der gravierende Unterschied zwischen ihnen und mir liegt nicht in den genannten Gaben. Sondern darin, dass sie nicht haben reifen können (oder dürfen?). Ihre schwierigen und bedrückenden, beengten und harten Kindheiten liegen auf ihnen wie zentnerschwere Lasten, die sie zwar (auch in ihrer Kunst) zu verarbeiten suchen. Doch gerade bei Madonna fällt auf, dass sie über eine rebellisch-pubertäre Herangehensweise an die Themen Sexualität und Religion einfach nicht hinaus kommt. Provokation und Blasphemie sind weder geeignete Mittel zur ernsthaften Auseinandersetzung noch beinhalten sie eine Chance zur Heilung verzerrter Prägungen. Es ist klar, dass die Antriebskraft zu diesen Ausdrucksformen nicht nur "sex sells" ist. Eine ernsthafte Künstlerin würde sich auf diese Formel nicht einlassen, wenn nicht auch noch andere, viel stärkere Kräfte dahinter stünden.

Und die Biografie von Michael Jackson spricht für sich.

Mir kommt der Verdacht, dass Erfolg und Ruhm nur weitere Peitschenschwinger sind (so wie ehemals die Väter?) und wohl eher verhindern, ein erwachsener und reifer Mensch zu werden, der mit seiner Vergangenheit versöhnt ist. Sie sitzen im Gefängnis ihrer eigenen Geschichte und finden nicht heraus. Und als Gurus und Vorbilder taugen sie daher natürlich auch nicht, was ich als schmerzlich empfinde bei so viel Potential und Talent.

Was mich zu der Frage bringt, womit ich es verdient habe, ein Umfeld zu erhalten, in dem ich mich entwickeln durfte und Heilung von so manchen inneren Verbiegungen erfahren durfte und immer noch darf. Mit nichts. Es ist reine Gnade ...

Donnerstag, 21. August 2008

Dunkle Energie

Gestern Nacht sah ich mir einen Film über die Zusammensetzung des Weltalls an. Ich liebe es, mir etwas anzusehen, was ich nicht auch nur im Entferntesten verstehe. Das rückt doch die Relation von Mensch, Schöpfung und Gott in gesunde Proportionen.
Diesmal ging es um dunkle Materie. Nur 4 Prozent des Universums besteht aus gewöhnlicher Materie, wie wir sie kennen, sehen und messen können. Weitere 21 bis 23 Prozent besteht aus so genannter Dunkler Materie, die aus "kalten" Elementarteilchen besteht, die viel langsamer als die Neutrinos unterwegs sind. Diese noch unbekannten Partikel werden WIMPs genannt, zu deutsch "Feiglinge" oder als Akronym Weakly Interacting Massive Particles, schwach wechselwirkende massive Teilchen, die genau wie die Neutrinos unsichtbar sind und die nur sehr selten mit anderen Atomkernen kollidieren und dabei eine Spur hinterlassen.
Die fehlenden 73 bis 75 Prozent des Universums nennen die Physiker etwas hilflos "Dunkle Energie", sie treibt die Expansion des Universums voran, aber deren Wesen und Art ist noch völlig unverstanden, man kann sie nicht messen oder nachweisen, geschweige denn sehen.
Wenn ich je Gott von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen sollte, was ich hoffe und glaube, werde ich ihm schwarze Löcher in den Bauch fragen, was es mit der Schöpfung des Universums auf sich hat. Er muss ein wahrhaft genialer Physiker sein!
Bis dahin halte ich mich an meine persönliche "Schwarze Energie": Kaffee!



Sonntag, 17. August 2008

Ein Unfall kommt selten allein ...

... so schien es heute jedenfalls. Denn heute war der Tag der Unfälle.
Als ich frühmorgens zur Arbeit fuhr, kam ich an einem verunfallten Auto vorbei: auf die Gegenfahrbahn geraten, über die Bordsteinkante und mit voller Wucht gegen einen Baum gefahren. Da stand es nun, zerbeult, ohne Fahrer.
Später ereignete sich unweit von unserem Hotel ein weiterer Unfall: Ein Autofahrer hatte einem Fahrradfahrer die Vorfahrt genommen und ihn unsanft auf die Straße katapultiert. Notarztwagen im Einsatz, aber zum Glück nur Schürfwunden.
Als nächstes Ereignis stürzte eine junge Frau direkt vor unserem Hotel vom Rad. Ihre Freundin suchte bei uns Hilfe. Da das Unfallopfer mit einem Schock zu kämpfen hatte, bettete ich sie mit einer Wolldecke auf unsere Bank vorm Hotel und besorgte Wasser und starken Kaffee für den Kreislauf.
Kaum war sie wieder fit, klemmte sich eine junge Frau aus unserem Team die Finger in unserer Gleittür, als sie dabei war, die Fußmatte davor zu platzieren. Der Bewegungsmelder hatte sie nicht erfasst, weil sie auf dem Boden kniete. So glitt die Tür beim Schließen über ihre Fingerkuppen. Viel Blut, Tränen und auch hier Kreislaufprobleme. Schnell holte ich Verbandmaterial und versorgte sie mit Wasser und Trost. Danach wurde sie ins Krankenhaus gefahren. Nichts gebrochen, zum Glück. Jetzt geht's schon wieder.
Habe ich vielleicht den falschen Beruf gewählt? Annika wäre heute jedenfalls richtiger am Platz gewesen.

Dienstag, 12. August 2008

Alles im Grünen ...


Man wird sehr dankbar, wenn man - wie heute wieder - mit diversen Dauerkrankheiten beim Arzt sitzt und er verkündet, dass alle Werte bestens seien. Ich glaube, mein Arzt liebt mich. Eine Vorzeigepatientin, die sich verlässlich, auch über Jahre, an die Regeln hält, begegnet ihm nicht so oft.
Mit breitem Grinsen fragt er mich jedes Mal: "Sie rauchen immer noch nicht?", um dann die Kreuzchen auf seinem Formular zu machen. "Amputiert sind Sie auch nicht?" Ich schaue meine Arme und Beine gründlich an und sage: "Nein, alles noch da!" Er macht sein Häkchen. Ach, ich mag ihn auch ...

Freitag, 8. August 2008

Sintflut

Schon gestern kübelte der Regen auf Cuxhaven. Die angenehme Seite: in der Hütte sitzen und den Naturgewalten zuschauen. Donner, Blitze, Windböen, die die Bäume erzittern ließen und das Wasser über die Wege peitschte. Die unangenehme Seite: unser Keller stand unter Wasser, und wir mussten ihn mühsam trocken legen.
Dann heute morgen: Um sieben Uhr saß ich beim Arzt, und als ich danach vor die Tür trat, tat sich eine einzige Wasserwand vor mir auf. Ich kämpfe mich ins Auto und anschließend darin zur Arbeit. Ganze Straßenzüge standen vollständig unter Wasser, und an einer Ampelkreuzung musste ich durch eine langgestreckte Senke fahren, in der sich eine 50 cm tiefe "Pfütze" angesammelt hatte. Ich hatte echt Angst um mein Auto. Später rief Hartmut bei mir an: Er sei gleich zu Hause geblieben und habe sich den Tag frei genommen. Grund: Da die Kanalisation Cuxhavens die Wassermassen nicht auffangen konnte, stiegen sie netterweise durch den Abfluss unserer Badewanne auf, und zwar in rasender Geschwindigkeit. Eine Wasserpumpe musste her.
Auch unsere Freunde und Nachbarn und andere Bekannte hatten ähnliche Schwierigkeiten. Man half sich gegenseitig aus.
Als ich heute abend von der Arbeit zurück kam, war zum Glück alles gegessen. Nur ein bisschen Putzarbeit liegt noch vor uns. Und die Sonne scheint, als könne sie kein Wässerchen trüben ...

Donnerstag, 7. August 2008

Stimmungswechsel

Sommer ist nicht gleich Sommer.
Der junge Sommer kommt mit frischem Grün, alles ist noch verheißungsvoll - man wartet auf die Wärme, auf die Zeit der kurzen Röcke und Tops, auf Eis im Straßencafé und Freibadbesuche.
Doch jetzt - etwas ist anders geworden.
Frühmorgens wischt der Scheibenwischer Kondenswasser von der Frontscheibe. Es riecht nach feuchter Erde. An den Bäumen hängen Äpfel, der Mais steht hoch, die Heide blüht. Das Gold der Getreideähren ist dem Ocker der Stoppelfelder gewichen. Das Grün ist matter geworden. Der Sommer ist reif. Nicht mehr lang, dann wird er welken.
Aber ich freue mich auch auf den Herbst. Das ist meine Jahreszeit. Er hat so viele schöne Seiten. Die Farben. Die Gerüche. Den Wechsel spüren. Melancholie ...

Freitag, 1. August 2008

Wechselfälle des Lebens

Nachdem ich mich vor einigen Tagen von meiner Kollegin Manuela verabschieden musste, die ihr FSJ bei uns beendete, stand ich gestern an der Rezeption und freute mich auf die Ankunft meiner neuen Kollegin, die im kommenden Jahr unser Team verstärken wird. Diese wurde von ihrem Großvater zu uns gebracht.
Als sie beide ankamen, sagte er zu mir: "Ich hatte gehofft, dich hier zu treffen!" Die Stimme kam mir irgendwie bekannt vor. Ich schaute genauer hin. Das war doch ...
Ja, tatsächlich, es war mein früherer Jugendkreisleiter. Zuletzt hatte ich ihn wohl vor dreißig Jahren gesehen. Und nun brachte er seine Enkel(!!!)tochter! Junge, Junge, - um mal ein Klischee zu bedienen - wie die Zeit vergeht! Ach ja, man wird älter. Bei ihm war es nicht zu übersehen. Bei mir ja auch nicht.
Aber es freut mich doch sehr, künftig mit einer seiner Nachfahren (er hat inzwischen zehn Enkelkinder) zusammen zu arbeiten. Herzlich willkommen, Judith!

Montag, 28. Juli 2008

Die Mittagssonne

brennt gnadenlos, ich schiebe den Mäher durchs knöcheltiefe Gras. Schweißtropfen rinnen in die Augen und brennen. Es duftet nach frisch geschnittener Wiese, und wenn ich an das Kräuterbeet stoße, steigen Aromawolken von Minze und Zitronenmelisse auf. Der Sommerflieder zieht magisch Schwärme von Pfauenaugen und Zitronenfaltern an. Ein Frosch, der im Schatten Zuflucht vor der Hitze gesucht hatte, springt erschrocken davon, als ich mich nähere.
Runde um Runde verpasse ich der Wiese einen neuen Haarschnitt. Arbeit auf eigenem Stück Land. Danach kühles Wasser auf der Haut, durstlöschendes Wasser auf der Zunge.
Wer sagt, dass nicht auch Frauen Spaß haben an einer sonst typischen Männertätigkeit?

Donnerstag, 24. Juli 2008

"Rare poems ask rare friends"

Dieses aus der Feder von Ben Jonson stammende Motto ist auf den Dichter John Donne gemünzt, einem lange in Vergessenheit geratenen und heute mühsam wiederentdeckten Zeitgenossen Shakespeares. Mühsam deswegen, weil er ein zwar brillianter, aber schwer verständlicher Lyriker, Satiriker - und Geistlicher ist. Seine Gedichte sind voller Anspielungen, Paradoxien, Projektionen, Metaphorik, Polemik und maßlosen Übersteigerungen, die sich dem Leser zum Teil nur in den historischen Zusammenhängen Englands in der Jahrhundertwende um 1600 erschließen. Trotzdem ist er ein moderner Dichter, weit seiner Zeit voraus. Seine Sprache ist zuweilen brutal offen, mit frivolen und und unverhohlen erotischen Anspielungen, die aber wiederum nur Symbol für tiefer liegende Empfindungen sind. Seine Hauptthemen sind Liebe, göttliche wie menschliche (wobei er kühn eine transzendente, heilige Erotik und gleichzeitig eine erotisierte Gottesliebe formuliert) sowie Abschied und Tod.
Ich arbeite mich gerade durch einen dritten Lyrikband von ihm durch, "Alchimie der Liebe", und bin zugleich verwirrt und begeistert. Manche Sätze sind so schön, dass man sie gar nicht verstehen muss, um mit der Empfindung dahinter mitzuschwingen. Andere widerum würde ich so gern durchschauen und schaffe es einfach nicht.
Zwei Beispiele, die sich mir einigermaßen, wenn auch nicht nicht vollständig erschließen:

"Erstürme mein Herz! Dreifaltiger Gott, der scheu
Bis jetzt nur anklopft, haucht, heilsam bespricht.

O wirf mich nieder, dass ich mich aufricht!

Brauch deine Kraft, blas, brenn und mach mich neu!


Ich, eine Stadt, dem Feind verpfändet, freu

Mich auf Dein Kommen. All mein Mühn hilft nicht:

Vernunft, Dein Vogt, dem mich verteidigen Pflicht,

Wird bald gefasst, da schwach und ungetreu,

Doch innigst lieb ich Dich, möcht, dass Du mich

Auch liebst. Und bin dem Feind versprochen doch!

Löse, zerhau den Knoten, scheide mich,
Reiß mich zu Dir, wirf mich ins Kerkerloch!

Ich bin nicht frei, außer Du bändest mich.

Ich bin nicht rein, außer Du schändest mich."

Ein Zeugnis von John Donnes Sprache, die mal zärtlich, mal überaus brutal sein kann. Dass er es wagt, das Bild einer Vergewaltigung mit Gott in Zusammenhang zu bringen ... Alles in mir sträubt sich dagegen. Und doch - im Sinne von Überwältigt-sein könnte ich es nachvollziehen. Auch das Wissen um die Begrenztheit des Verstandes, seine Sehnsucht nach Gottesbegegnung und Erneuerung ...

Zum Verständnis des nächsten Gedichtes "Die wahre Braut Christi" muss man wissen, dass Donne katholisch erzogen worden war, in den späten Regierungsjahren Elisabeths Katholiken aber zunehmend der Verfolgung ausgesetzt waren. Nach langen Bedenkzeiten näherte er sich daher der anglikanischen Kirche an, das alles unter jahrelangen großen Gewissenskämpfen.
"Die Geschminkte" ist die römische Kirche; "jene, die verstört" die Reformierten in Deutschland und die Puritaner in England. "Hat sieben" (Rom auf seinen sieben Hügeln) oder "einen Berg erwählt" (Tempelberg in Jerusalem).

"Zeig, Christus, Deine Braut mir, licht und klar:
Wie, ist es die Geschminkte überm Meer,

In reichem Putz? ist's jene, die verstört,
Beraubt, zerlumpt, hier und in Deutschland klagt?


Schläft sie erst tausend, und wacht dann ein Jahr?
Ist wahr, und irrt? bald jung, bald abgelebt?

Hat sieben, oder auch einen Berg erwählt,

Oder auch keinen, einst, jetzt, immerdar?


Wohnt sie hier? oder, fahrendem Ritter gleich,

Muss ich weit reisen, eh mir Liebe wird?

Gib Deine Braut, Herr, allen Blicken preis,

Dass meine Seele Deine Taube wirbt,


Die Dir am meisten treu ist und gefällt,
Wenn sie die Arme öffnet aller Welt."


Solche Fragen sind sehr aktuell, oder?